Bestattungsinstitut Petri  Foto Birken  
Bestatter zwischen Beruf und Berufung

Michael Petri Im August 1978 fing ich an, im Bestattungsinstitut meiner Eltern zu arbeiten, das bereits schon 25 Jahre existierte. Damals machte ich mir keine großen Gedanken, was eigentlich auf mich als Mensch und insbesondere auf meine Psyche zukommt, wenn ich den Beruf des Bestatters ausübe. Ich hatte vorher schon den einen oder anderen Verstorbenen gesehen, hatte Särge ausgeschlagen während meiner Schulzeit.

Als Kind habe ich öfters von einem unheimlichen Gebäude geträumt, das von steinernen Löwen beschützt wird und dass in diesem Gebäude etwas Schreckliches passiert. Jahre später wurde dieser Traum aufgeklärt. Es war das Gebäude des Mainzer Krematoriums, wohin mich mein Vater als Kind einmal mitgenommen hatte. Ich musste im Bestattungswagen warten, weil in diesem Gebäude etwas geschah, was Kinder nicht sehen sollten. Damals hatte ich noch keine Erfahrung in der Trauergesprächsführung und mir war nicht bewusst, welchen Menschen ich begegnen würde, die wegen eines Trauerfalls unser Institut mit der Abwicklung der Bestattung beauftragen.

Heute kann ich sagen: Ich bin ihnen begegnet, den Menschen – den weinenden und den lachenden, den verzweifelten, den völlig aufgelösten, den resignierten, den zufriedenen, den apathischen, den tief gläubigen und den gottlosen, den bestimmenden und den annehmenden, den hilflosen, den über alles erhabenen und den dankbaren.

Und ich bin ihnen begegnet, den Toten – den sanften, den erlösten, den von Krankheit gezeichneten, den schönen, den mir gut bekannten, denen aus dem Familien- und Freundeskreis, den ermordeten, den verunglückten, den friedvollen, den alten und den jungen.

Ich habe in den Jahren meines Berufslebens fast alle Facetten des Todes und der Menschen, die zurückbleiben, kennen und schätzen gelernt.
Es war bestimmt nicht immer einfach, viele Erinnerungen sind unauslöschlich im Unterbewusstsein zurückgeblieben, aber die positiven Erfahrungen und Begegnungen überwiegen. Ich denke, es gibt kaum einen Beruf, der so abwechslungsreich ist und der einen jeden Tag vor so neue, mannigfaltige Herausforderungen stellt; der einem aber auch so viel zurück gibt, wenn man den Angehörigen gegenüber menschlich bleibt und auf ihre besondere Situation eingeht. Wenn man einfühlsam ist und die Menschen in der oft ausweglosen Situation berät, begleitet und unterstützt. Wenn man ihre Wünsche in irgendeiner Art und Weise erfüllen kann, damit der letzte Abschied von einem geliebten Menschen in sehr positiver Erinnerung bleibt.

Michael Petri


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